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Glauben ist schön...
Briefe an Kerstin
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Liebe Kerstin!

Was du in deinem letzten Brief schreibst, habe ich in meiner Jugend auch oft erlebt: Ich hatte das Gefühl, mit meinem Glauben ganz allein zu stehen. Es gab so viele Menschen um mich herum, die – scheinbar – an nichts glaubten, und etliche redeten auch so. „Wenn die in meiner Klasse wüssten, was ich mir für Briefe mit meinem Firmpaten schreibe“, sagst du „die würden mich für verrückt erklären!“ Das mag schon sein, und so meinen wir manchmal: Im Glauben stehe ich allein. Er ist eine ganz persönliche Sache zwischen Gott und mir. So jedenfalls sieht es auf den ersten Blick aus, und so habe ich damals auch gedacht.

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Du weißt, dass ich vor ein paar Jahren in Rom gewesen bin. Dort habe ich begriffen: Ich stehe als Glaubender nicht allein. Um mich herum standen auf dem Petersplatz Menschen aus allen Erdteilen, Europäer, Chinesen, Afrikaner. Als das Große Glaubensbekenntnis angestimmt wurde, spürte ich: wir alle sind die Kirche, die Gemeinschaft der Glaubenden. Da ist mir zum ersten Mal aufgegangen, weshalb es in unsrem „Gotteslob“ nicht heißt „Ich glaube“, sondern „Wir glauben“.

Was fast noch wichtiger war: In der Peterskirche spürte ich den Atem der Jahrhunderte. Unter dem Hochaltar ist das Grab des heiligen Petrus. Er hat im Auftrage Jesu den Glauben verkündet, zusammen mit den anderen Aposteln. Ihr Werk haben andere fortgesetzt – bis heute. Wer glaubt, ist nicht allein. Er ist eingereiht in die große Schar der Gläubigen aller Jahrhunderte.

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Freilich muss die Kirche sich bemühen, die Wahrheit des Glaubens immer wieder neu auszudrücken und tiefer in sie einzudringen, damit die Menschen der jeweiligen Zeit sie verstehen können. Beim Zweiten Vatikanischen Konzil 1962 bis 1965, zum Beispiel, hat sie das umfassend getan. Seitdem werden manche Sätze anders formuliert als früher. Aber es ist doch der gleiche Glaube. was einmal Wahrheit war, kann nicht ungültig werden.

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Verstehst du jetzt, warum ich die Kirche liebe, obwohl ich genau weiß, dass ihre Mitglieder – bis hinauf zum Papst – auch schwere Fehler machen zu können? Ich lege dir ein Foto von deinem Vater und mir vor dem Petersdom bei. Das kannst du dir an deine Pinnwand heften, neben Vatis Bild.

                                                                 Es grüßt dich herzlich dein Franz


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